20. Februar bis 1. April 2007
Altes, Neues, Allerneuestes
Sammeln um 1900
Eine Ausstellung zu Ehren von Hermann Henrich Meier jr. und Heinrich Wiegand
Dr. jur. Hermann Henrich Meier jr. (1845-1905), Sohn des Gründers des Norddeutschen Lloyd, H.H. Meier, war tätig in den väterlichen und eigenen Handels- und Versicherungsfirmen. Seit 1881 gehörte er dem Vorstand des Kunstvereins in Bremen an und war mehrfach dessen Vorsitzer. Der Kunstverein verdankt ihm neben vielen innovativen Veränderungen einen seiner wichtigsten und berühmtesten Sammlungsteile: ein Vermächtnis von über 60.000 druckgraphischen Arbeiten europäischer und amerikanischer Künstler.
Käthe Kollwitz, Weiblicher Rückenakt
auf grünem Tuch, 1903, Farblithographie
Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in BremenDer zeitliche Rahmen dieser großen Sammlung reicht von Jacques Callot, Francisco de Goya oder Eugène Delacroix auf der älteren Seite bis zu Max Klinger, Pierre Bonnard, Edvard Munch oder Käthe Kollwitz auf der zeitgenössischen Seite. Ebenso weit gespannt sind auch die Funktion der Kunstwerke: So steht die Künstlergraphik neben der angewandten Graphik, autonome Kunstwerke wie die grausamen Kriegsbilder Goyas oder die frühen Farblithographien von Käthe Kollwitz, Odilon Redon, Pierre Bonnard neben großen Plakaten des Jugendstils von Künstlern wie Henri de Toulouse-Lautrec und kleinere Entwürfe für Buchumschläge und andere Gebrauchsgraphik. 
Bernardo Bellotto, gen. Canaletto, Der Neumarkt zu Dresden, 1749, Radierung
Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in BremenIn der Ausstellung zu sehen:
Alte Graphik: von Callot bis Goya
Deutsche Malerradierer: von C. D. Friedrich bis Liebermann
Lithographie in Deutschland: von Schadow bis Kollwitz
Französische Malerradierer: von Corot bis Chahine
Französische Lithographien und Holzschnitte: von Géricault bis Lacoste
Britische und amerikanische Künstlergraphik: von Crome bis Bone
Skandinavische Künstlergraphik: Edward Munch und Anders Zorn
Die Graphik wird farbig: von Bonnard bis Vuillard
Angewandte Graphik international - groß und klein
Adolfo Hohenstein, Tosca, 1899
Farblithographie
Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen
Heinrich Wiegand (1855-1909) wurde 1892 als „Außenseiter" zum Direktor des Norddeutschen Lloyd bestimmt: Er war Jurist und nicht Kaufmann. Wiegand erneuerte die gesamte Flotte, modernisierte die Trockendocks und setzte vor allem große Schnelldampfer in Richtung Amerika ein. Fahrten nach Südamerika, dem Mittelmeer und Westindien konnten in seiner Zeit verstärkt werden. Insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche neue Ziele in Fernost angefahren.
Als Direktor sorgte Wiegand dafür, dass auf einer dieser ersten Fernostreisen auch der deutsche Wissenschaftler Friedrich Perzynski (1877-1962) mitfuhr. Er hatte den Auftrag erhalten, für die Kunsthalle Bremen und den Norddeutschen Lloyd in Japan eine umfangreiche Sammlung sehr seltener japanischer Farbholzschnitte und Blockbücher des 17. bis 19. Jahrhunderts zu erwerben. Die Kosten trug der Norddeutsche Lloyd, und es war maßgeblich das Verdienst Heinrich Wiegands, dass innerhalb von nur zwei Jahren eine hochkarätige Sammlung für das Kupferstichkabinett der Kunsthalle Bremen zusammengetragen werden konnte.In der Ausstellung ist eine Auswahl der Farbholzschnitte (ukiyo-e) von Okamura Masanobu (1686-1764) zu sehen, die in ihren perspektivischen Darstellungen noch einen Nachklang des europäischen Einflusses auf die japanische Kunst vor der Schließung Japans zeigen. Darüber hinaus sind frühe, zum Teil noch handkolorierte Drucke ausgestellt, die bereits Darstellungen des Kabuki-Theaters enthalten. Ein zweiter Haupteil ist dem wohl berühmtesten Farbholzschnitt-Künstler, Katsushika Hokusai gewidmet. Von ihm sind ein kompletter Zyklus des Tokaido (Reise von Tokyo nach Kyoto, 1804/06) sowie äußert seltene surimonos (private Drucke für Einladungen, Programme etc.) zu sehen. 
Katsushika Hokusai, Der Tellerpalast (aus: Hundert Gruselgeschichten), 1831, Druck in mehreren Farben
Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von Euro 25,-.
Mit freundlicher Unterstützung der Hapag Lloyd AG






