Eine Überblicksausstellung der Preisträgerin des 4. DAM DIGITAL ART AWARD |DDAA|
Die amerikanische Künstlerin und Filmemacherin gilt als Pionierin interaktiver Kunst. In Bremen interagieren ihre Werke nicht nur mit dem Besucher, sondern auch mit der Sammlung der Kunsthalle.

Lynn Hershman Leeson: I Phone Crack – Selfportrait 2, 2012 © courtesy of the artist
Lynn Hershman Leeson (geb. 1941) gehört seit den 70er-Jahren zu den führenden KünstlerInnen der Medienkunst. Auf der Basis der visuellen Künste, des Films und der populären Kultur setzt sie sich seit 40 Jahren mit Identität, Erinnerung und Geschichte auseinander. Sie erkundet Themen, die im Zusammenhang mit Konsum, Privatsphäre, Überwachung und persönlicher Macht erwachsen und bezieht hierbei konsequent den Zuschauer als einen aktiven Teilnehmer in das Kunstwerk mit ein. Hershman Leeson verwendet hierfür die ständig weiterentwickelten digitalen Technologien und gibt wiederholt entscheidende Impulse für feministische Diskurse. Sie ist verantwortlich für eine Reihe technologischer Innovationen, wie z. B. Lorna (1981–1983), das erste interaktive Kunstwerk auf einer Videodisk, oder Deep Contact: The Sexual Fantasy Videodisk (1984–89), das erste Kunstwerk, bei dem Sensorbildschirme verwendet wurden.

Lynn Hershman Leeson: Lorna, 1981–83
© courtesy of the artist, Foto: ZKM / Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe
Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, u.a. im Museum of Modern Art, New York, in der Tate Modern in London, im Lehmbruck Museums, Duisburg, oder im ZKM, Karlsruhe. Sie leitete die Filmfakultät am San Francisco Art Institute und ist emeritierte Professorin für Elektronische Kunst am Department of Art an der University of California. Auf Grund ihrer Pionierarbeit im Bereich der interaktiven computer- und internetbasierten Medienkunst erhielt sie 2010 den |DDAA|.

Lynn Hershman Leeson: DiNA-A.I. Bot, 2005 © courtesy of the artist
"Lynn Hershman Leeson. Seducing Time" ist die erste institutionelle Ausstellung der Künstlerin in Deutschland und umfasst Fotografien, Installationen, Videos und schwerpunktmäßig interaktive Arbeiten. Über 50 Werke skizzieren eine Schaffensperiode von über 40 Jahren und geben sowohl einen Einblick in ihre Entwicklung als auch in ihre Vielseitigkeit. Ganz im Sinne ihres Interesses für Interaktion und für das Verhältnis von Gedächtnis, Identität und Technologien, sind die Werke in der Sammlung der Kunsthalle verteilt. So treffen Meisterwerke aus 600 Jahren Kunstgeschichte auf Medienkunst des 21. Jahrhunderts.

Lynn Hershman Leeson: Digital Venus III, 1996 © courtesy of the artist
Im Rahmen von Kinofilmproduktionen hat Lynn Hershman Leeson bereits mit Schauspielern wie der Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton und dem preisgekrönten Jeremy Davies zusammen gearbeitet. In Kooperation mit dem City 46 werden die preisgekrönten Kinofilme Conceiving Ada (1997), Teknolust (2002) und Strange Culture (2008), der Künstlerin gezeigt.
Über den DAM DIGITAL ART AWARD
Der 2005 initiierte DAM DIGITAL ART AWARD |DDAA| (ehemals d.velop digital art award) wird alle zwei Jahre vom Digital Art Museum [DAM] in enger Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Bremen und der Agentur KOMMUNIKATION LOHNZICH an einen Künstler aus dem Bereich digitaler Medien vergeben. Der Preis ehrt die wichtigsten Künstler der digitalen Kunst für ihr Lebenswerk oder eine bedeutende Werkgruppe. Den jeweiligen Preisträgern wird eine Ausstellung in der Kunsthalle Bremen gewidmet; nach Vera Molnar, Manfred Mohr und Norman White wird nun die Pionierarbeit der amerikanischen Künstlerin Lynn Hershman Leeson gewürdigt.