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Home > Ausstellungen > Rückblick > Pipilotti Rist
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20. August bis 2. Oktober 2011

Pipilotti Rist - Ruhig durch die Wände

Eine Ausstellung des Förderkreises für Gegenwartskunst im Kunstverein Bremen mit freundlicher Unterstützung der Bremer Landesbank.

Eine junge Frau inmitten eines farbenprächtigen Tulpenfeldes; Gummistiefel wandern durch Wasserpfützen; ein Schwein erforscht eine satte grüne Wiese und verspeist genüsslich Äpfel; Hände graben in der Erde, finden Regenwürmer… Pipilotti Rist nimmt uns in ihrer farbenfrohen, traumhaft-meditativen Audio-Videoinstallation Bremer Lungenflügel mit in ihre fantastischen Bildwelten und lädt den Besucher auf seiner Entdeckungstour durch das neue Haus zum Innehalten ein.

Pipilotti Rist: Bremer Lungenflügel, 2009/2011, Audio Video Installation
Foto: Harald Rehling / Courtesy the artist and Hauser & Wirth

Mit ihren sinnlichen, innovativen und zum Teil provokanten Videoinstallationen wendet sich Pipilotti Rist an Menschen mit einer „gewöhnlichen Fernseh-Erziehung“. In ihren Arbeiten verfremdet sie mit Hilfe der elektronischen Möglichkeiten das Farbenspiel und die Geschwindigkeit des ursprünglichen Filmmaterials. Extreme Vergrößerungen, der Einsatz des Zooms, Be- und Entschleunigung des Bildablaufs tragen ebenso wie die Kamerabewegung dazu bei, dass der Besucher in die Bildwelt eingezogen, zugleich aber auch desorientiert wird. Der Rhythmus der Bilder wird hierbei häufig durch den Rhythmus der unterlegten Musik bestimmt. Sound, Video und die Erfahrung des Raumes sind in Rists Werken gleichwertig. Durch die langjährige Zusammenarbeit mit Anders Guggisberg erhalten ihre Arbeiten einen sehr persönlichen, wiedererkennbaren Klang. Die so entstehenden farbgewaltigen Bildwelten sprechen die optischen, akustischen und haptischen Sinne an.

Thematisch erweitert Rist das Spektrum der Gender Studies und setzt sich in ihren Arbeiten mit Körperbildern, insbesondere der Wahrnehmung des weiblichen Körpers, auseinander. Die traumgleich ablaufenden Bildfolgen sind in ihrer „Erzählung“ nicht stringent, sondern unlogisch und daher nicht vorhersehbar – wie in Träumen wechseln die Bilder abrupt von unschuldig, sinnlich, verführerisch zu fleischig, glibberig, verunsichernd.

Mit dem Bremer Lungenflügel zeigt Pipilotti Rist eine Freestyleversion ihrer Arbeit Lungenflügel, die 2009 während der Dreharbeiten zu ihrem ersten Kinofilm Pepperminta entstand. Die junge Protagonistin dieses Filmes, Pepperminta, lebt nach ihren eigenen Regeln und ist geradezu eine Anarchistin der Fantasie. In ihrer Villa Kunterbunt hält sie sich Erdbeeren als Haustiere, ihre Freunde sind die Farben und sie wünscht sich, dass alle Menschen die Welt in der eigenen Lieblingsfarbe sehen. Gemeinsam mit zwei Begleitern macht sie sich auf in die Welt, um das Leben der Menschen zu verändern.

Der Bremer Lungenflügel ist ein Ort für die Sinne und es ist Pipilotti Rists ausdrücklicher Wunsch, dass sich die Besucher entspannen, wohl und heimisch fühlen, während sie ihre Arbeit betrachten. In der Kunsthalle laden Kaffeesäcke als Sitzgelegenheit zum Verweilen ein und erinnern zugleich an die Bedeutung des (Kaffee-)Handels für die Hansestadt Bremen.

Mit ihrem Team erarbeitete Pipilotti Rist in den vergangenen Jahren immer größer werdende Installationen wie die großflächige, mehrere Räume umfassende Elixir-Ausstellung 2007 in Rotterdam oder 2005 in St. Gallen, wo sie, in Zusammenarbeit mit dem Architekten und Künstler Carlos Martinez, ein ganzes Quartier der Innenstadt in ein öffentliches Wohnzimmer verwandelte. Mit diversen Sitzmöbeln ausgestattet und mit rotem Tartan Kunststoff ausgelegt bietet das neue Konzept viel Raum für Begegnungen und Kommunikation. „Die Aufgabe der Kunst ist es zur Evolution beizutragen, den Geist zu ermutigen, einen distanzierten Blick auf soziale und ökologische Veränderungen zu garantieren, positive Energien zu beschwören, die Sinne und die Sinnlichkeit zu fördern, den Verstand und den Instinkt zu versöhnen, Möglichkeiten auszuloten und Klischees und Vorurteile zu zerstören.“, so Pipilotti Rist. Diese Kunstauffassung spiegelt sich in ihren Werken wider – von den frühen bis zu den heutigen Werken, von den kleineren Videoobjekten bis zu den großen, raumfüllenden und farbenfrohen Installationen, die weltweit in Museen, auf Biennalen und Festivals, im Fernsehen und auf öffentlichen Plätzen gezeigt werden.

Während die großen Rauminstallationen von Pipilotti Rist langwieriger Detailplanungen und präziser Aufbauarbeiten bedürfen, kommt Deine Raumkapsel gänzlich ohne aus – Plug-and-Play – mal hier, mal dort in der neuen Kunsthalle. Die Transportkiste als Raum, das Zimmer in der Kiste, ich mach mir die Welt…

(Katja Riemer)

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