
links: Carl Wagner (1796–1867), Hochgebirgssee, Aquarell, Bleistift
Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
rechts: Ulrike Heydenreich (geb. 1975), Panoramaring 4, 2010, Objekt mit Bleistiftzeichnung
© VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Ein Zitat aus Ludwig Tiecks berühmten Künstlerroman „Franz Sternbalds Wanderungen“ (1798) liefert, leicht verkürzt, den Titel für die Ausstellung. Es umschreibt das eigentliche Anliegen der romantischen Landschaftskunst, der Natur subjektiv zu begegnen.
Die Ausstellung zeigt eine repräsentative Auswahl von rund 100 Meisterzeichnungen und 40 Ölskizzen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem reichen Bestand des Kupferstichkabinetts. Darunter befinden sich bedeutende Werke von Caspar David Friedrich, Franz Catel, Johann Christoph Erhard, Friedrich Nerly und vielen anderen. Diese werden in einen spannungsvollen Dialog mit Landschaftszeichnungen von Künstlern der Gegenwart gesetzt: Bettina Blohm, Bertram Hasenauer, Ulrike Heydenreich, Manfred Holtfrerich, Nanne Meyer, Ugo Rondinone und Malte Spohr.
Eine Werkpräsentation in 15 Museen und eine Dokumentation im Internet

Max Beckmann, Stillleben mit Kirschwasserflasche, 1928, Öl auf Leinwand
Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Der Galerist Alfred Flechtheim (1878–1937) gehört zu den bedeutenden und einflussreichen Figuren der Kunstszene im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Er setzte sich für den rheinischen Expressionismus und den französischen Kubismus ein und förderte Künstlerpersönlichkeiten wie beispielsweise Max Beckmann, George Grosz und Paul Klee. Die massiven antisemitischen Attacken gegen ihn und seine Künstler deutete er bereits 1933 unfehlbar: Er verließ Deutschland. Von London aus ging er weiter seiner Tätigkeit als Kunsthändler nach. Dort starb er 1937 an den Folgen eines Unfalls. Seine Witwe kehrte nach Deutschland zurück, wo sie 1941 einen Deportationsbescheid erhielt und sich daraufhin das Leben nahm. Ihr Besitz, darunter Kunstwerke, fiel an das Deutsche Reich.
Bis heute haben Alfred Flechtheims kunsthändlerische Aktivitäten in zahlreichen deutschen Museen ihre Spuren hinterlassen: Er hat die Sammlungen der Moderne aktiv mit geprägt. Es ist das Ziel dieses Forschungsprojektes, seine Spuren zu verfolgen, sie anschaulich in den Museen zu vermitteln und die Ergebnisse zugleich auf einer Plattform im Internet international zugänglich zu machen. Auf diese Weise werden Mechanismen des Kunsthandels und Sammlungsstrategien der Institutionen aufgedeckt.
Insgesamt beteiligen sich an dem Projekt 15 renommierte Museen wie u.a. die Staatsgalerie Stuttgart, die Kunsthalle Hamburg, das Sprengel Museum Hannover, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München und das Städel in Frankfurt am Main. Die Kunsthalle Bremen ist mit 44 Werken an dem Projekt beteiligt, die Zeichnungen, Druckgrafik, Skulpturen und Gemälden umfassen von Künstlern wie Ernst Barlach, Max Beckmann, Marc Chagall, Edgar Degas, Rudolf Grossmann, George Grosz, Marie Laurencin, Renée Sintenis und Henri Toulouse-Lautrec. Die Bremer Kunsthalle leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Provenienzforschung und legt ein Zeugnis der Ankaufspolitik von 1919 bis 1933 unter dem damaligen Direktor Emil Waldmann ab.

Sarah Morris, Endeavor, 2005, Palais de Tokyo, Paris
© Courtesy Sarah Morris
In der Kunsthalle Bremen wird die amerikanische Künstlerin Sarah Morris (*1967) ein neues großformatiges Wandbild realisieren, das direkt auf die Architektur des Museums reagiert. Die spektakuläre raumfüllende Installation engagiert den Betrachter durch optische Effekte, produziert durch eine rigorose geometrischen Komposition und kontrastreiche Farbkombinationen.
Morris arbeitet in der Tradition der geometrischen Malerei der Klassischen Moderne und 1960er Jahre mit ausgeprägten Bezügen zu dem Werk von Piet Mondrian, der amerikanischen Farbfeldmalerei, der Op Art und Victor Vasarely. Sie setzt diese Tradition kreativ in die Zukunft fort und gibt einer reduzierten Formensprache durch dynamische Kompositionen und intensive Farbigkeit neues Leben. Mit ihren leuchtenden Farben und glänzenden Gemälden und Wandbildern reflektiert die Künstlerin aber auch über die Scheinwelt und Oberflächenästhetik der Hollywood Films, Hochglanzmagazine, Mode und Werbung.

Pablo Picasso, Sylvette, 1954, Öl auf Leinwand
Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Foto: Lars Lohrisch
© Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Im Frühjahr 1954 lernte Picasso in Vallauris an der Côte d’Azur die junge Sylvette David kennen. Sie verkörperte das Schönheitsideal der Zeit – hochgewachsen mit langem blondem Haar – und inspirierte den Maler zu einer Serie von Porträtdarstellungen. Über Monate experimentierte er vor dem Modell mit unterschiedlichen Stilrichtungen und Techniken. Mit Pinsel und Zeichenstift schuf Picasso naturnahe und kubistische Bildnisse. Zugleich entstanden nahezu abstrakte Faltplastiken aus Metall. Bereits 1955 erwarb die Kunsthalle Bremen ein repräsentatives Bild dieser einzigartigen Werkgruppe und widmet ihr jetzt – 60 Jahre danach – erstmals eine eigene Ausstellung mit bedeutenden Leihgaben aus aller Welt. Die Werkgruppe umfasst mehr als 40 Arbeiten bestehend aus Zeichnungen, Gemälden, Metallskulpturen und Keramiken.
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