Rückgabe von im Nationalsozialismus entzogenen Kunstwerken aus der Sammlung Budge
Das Focke-Museum und der Kunstverein in Bremen als Träger der Kunsthalle haben zwei Kunstwerke an die Erben der jüdischen Sammlerin Emma Ranette Budge zurückgegeben: eine Kissenplatte, datiert 1620, aus dem Bestand des Focke-Museums, sowie eine Bronzeskulptur eines anonymen Künstlers aus dem 16. Jahrhundert aus dem Bestand der Kunsthalle.

v.l.n.r.: Jens Böhrnsen, Bürgermeister und Kultursenator, Heinz Rauber, Stiftungsdirektor der Henry und Emma Budge-Stiftung, Frauke von der Haar, Direktorin des Focke-Museums, Georg Abegg, Vorsitzer des Kunstvereins in Bremen (Foto: Sigrid Sternebeck)
Lothar Fremy, Anwalt der Erben von Emma Ranette Budge, betonte, dass es sich vor dem geschichtlichen Hintergrund um eine verantwortungsvolle sowie nach den Grundsätzen des Washingtoner Abkommens um eine gerechte und faire Lösung des Kunstvereins und des Focke-Museums handelte, beide Kulturgüter an die Erben von Emma Ranette Budge zurückzugeben. "Die beiden Bremer Museen zählen damit zu den ersten deutschen Museen, die den berechtigten Rückgabe-ansprüchen der Erben in vorbildlicher Weise nachgekommen sind."
Auf Antrag der Erben hatten beide Museen die Provenienz der Kulturgüter erforscht und sich im Sinne der Washingtoner Erklärung zur Rückgabe entschlossen:
"Als Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sehen wir es als unsere Pflicht an, Restitutionsforderungen nachzugehen und die Rückgabe enteigneter Kunstwerke zu ermöglichen. Wir freuen uns, dass das Wappenkissen nach so langer Zeit wieder in den rechtmäßigen Besitz der Erben Frau Budges gelangt", so die Direktorin Dr. Frauke von der Haar.
"Die Skulptur der Diana, etwa in der Zeit 1561 bis 1607 in Italien entstanden, wurde dem Kunstverein von dem Bremer Kaufmann Hans von Feldmann geschenkt. Wir waren sehr dankbar, lebt doch die Sammlung des Kunstvereins seit seiner Gründung 1823 bis zum heutigen Tag von den Zuwendungen seiner Mitglieder und Freunde. Auf die Anfrage von Lothar Fremy hat der Kunstverein die Provenienz mit dem Ergebnis geprüft, dass der Vorstand des Kunstvereins einstimmig die Restitution an die Erben Emma Ranette Budges beschlossen hat", so Georg Abegg, Vorsitzer des Kunstvereins.

links: Wappenkissen, Wolle/Seide, gewirkt; wohl Westfalen, datiert 1620, 61x57 cm (Foto: Focke-Museum/Sigrid Sternebeck)
rechts: Anonym, Diana, ital. 16. Jh. Bronze, dunkelbraun mit Resten schwarzer Lackpatina, 35x15x9 cm (Foto: Stickelmann)
Henry und Emma Ranette Budge hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Hamburg eine umfangreiche Kunstsammlung mit mehr als 1000 Objekten aufgebaut. Als Emma Ranette Budge 1937 verstarb, hatte sie testamentarisch verfügt, dass ihre Hinterlassenschaft zu einem Teil an drei jüdische Organisationen sowie dem amerikanischen Volk zugute kommen sollte. Der Rest ihres Vermögens sollte, da sie keine Kinder hinterließ, an die Verwandten ihres verstorbenen Mannes Henry sowie ihre eigenen Verwandten gehen.
Emma Budges letzter Wille wurde allerdings von den Nationalsozialisten ignoriert, die 1937 im Berliner Auktionshaus Graupe die Sammlung Budge versteigern ließen. Dort erwarb das Focke-Museum auch besagte Kissenplatte. 1953 vermachte Hans von Feldmann dem Kunstverein die Bronzestatue der Diana. Über die Zeit dazwischen ist nichts bekannt.
Anwalt Lothar Fremy konnte bis heute mehr als 30 verschiedene Standorte ausfindig machen, an denen Teile der Sammlung aufbewahrt werden.