Schon seit längerer Zeit sprengte die Sammlung erneut den Rahmen der Kunsthalle. Besonders störend war es, daß man für die zahlreichen Wechselausstellungen immer wieder die Sammlung ins Depot räumen mußte. So entstand seit Beginn der 70er Jahre der Plan für einen Erweiterungsbau. 1975 wurde ein begrenzter Wettbewerb ausgeschrieben, den der Architekt Prof. Werner Düttmann, der auch das Brücke-Museum in Berlin gebaut hatte, gewann. An der Aufbringung der erforderlichen Mittel von DM 11,1 Mio. beteiligten sich die Stadtgemeinde Bremen, die Stiftung Wohnliche Stadt, die Bürgerparktombola, die Sparkasse Bremen sowie viele private Spender. Der Kunstverein mußte seinerseits fast zwei Drittel der Baukosten finanzieren.
Die Stadt selbst beschränkte wegen ihrer zunehmenden finanziellen Beengtheit ihren Beitrag auf ein gutes Drittel der Gesamtkosten, während zur gleichen Zeit im Westen Deutschlands ganze Museen von städtischen Gemeinden entweder neu errichtet oder in großem Umfange erweitert wurden. Dennoch gelang es, den Bau zu Ende zu führen, nicht zuletzt dank der ständigen Kontrolle bei der Verwendung aller vorhandenen Mittel durch Senator a.D. Rolf Speckmann, der 1977 den Vorsitz des Kunstvereins übernommen hatte, und zwar mit der speziellen Aufgabe, den Anbau zu verwirklichen. Allerdings bedurfte es dabei einer Inanspruchnahme beträchtlicher Fremdmittel, was in der Folgezeit zu erheblichen Problemen führte.
Düttmann entwarf eine zurückhaltende Architektur, die sich durch die Backsteinfassade dennoch deutlich vom Altbau abhob. In dem Anbau wurde vor allem ein großer Bereich für Wechselausstellungen eingerichtet, so daß die Sammlung im Altbau dauerhaft präsentiert werden konnte. Zudem entstanden ein Vortragssaal mit über 350 Plätzen, ein Café, Depots und neue Büroräume für die Verwaltung. Das Mitmach-Museum des pädagogischen Dienstes, das seit 1976 bereits Ferienprogramme angeboten hatte, erhielt nunmehr eigene Räumlichkeiten und konnte damit zu einer wichtigen ständigen Einrichtung werden.
(Dr. Dorothee Hansen)