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Home > Kunsthalle > Über uns > Geschichte > Der Erweiterungsbau der Kunsthalle (1899-1902)
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Der Erweiterungsbau der Kunsthalle (1899-1902)

Die stark angewachsene Sammlung sprengte gegen Ende des Jahrhunderts die Möglichkeiten der Kunsthalle. "Die Nothwendigkeit der Erweiterung unserer Kunsthalle wird Jedem klar, welcher die eng zusammengedrängte Sammlung durchwandert, bei deren Hängen künstlerische Gesichtspunkte schon längst außer Acht gelassen werden mußten, und nur die möglichste Ausnutzung der kleinen Räume maßgebend ist. Im Kreis des Vorstands besteht daher schon seit Jahren der dringende Wunsch, durch Sammlung eines Fonds diesem schreienden Mißstande abzuhelfen (...) Auch die Nothwendigkeit, während der großen Ausstellung unsere gesamte Gemäldesammlung abzuhängen, ist ein Zustand, welcher unserer Stadt nicht würdig ist"[1], klagte der Vorstand im Jahresbericht von 1896/97.

Ein Jahr später konnte man bereits den Eingang der ersten Stiftung für den Bau in Höhe von 3000 Mark verzeichnen. Entscheidend wurde der Weg für den Erweiterungsbau jedoch durch den langjährigen Vorsitzer des Vereins, den Kaufmann Carl Schütte (1839 - 1917) bereitet, der im selben Jahr 200.000 Mark unter der "Voraussetzung bereitstellte, daß der Senat und die Bürgerschaft den Platz unentgeltlich zur Verfügung stellen möchten und unter der Bedingung, daß der Verein, um das Kunstleben in der Stadt weiter zu heben, an zwei Tagen der Woche zu bestimmten Zeiten seine Sammlungen ohne Entgelt dem Publikum öffne."[2] Joseph Hachez und Hermann Melchers schenkten je weitere 100.000 Mark, so daß noch im selben Jahr ein Wettbewerb unter Bremer Architekten ausgeschrieben werden konnte.
Das Preisgericht, zu dem als Fachleute u.a. die Architekten Paul Wallot aus Berlin und Gabriel von Seidl aus München sowie der Berliner Museumsmann Hugo von Tschudi geladen waren, war von keinem der 1898 eingereichten Pläne überzeugt. Da der Grundriß von Albert Dunkel am meisten Beifall gefunden hatte, während man den Fassadenentwurf von Eduard Gildemeister bevorzugte, betraute man die beiden Architekten mit der Überarbeitung eines gemeinsamen Entwurfs. Dieser wurde dann angenommen, und nachdem Senat und Bürgerschaft den Baugrund zur Verfügung gestellt hatten, konnten Ende 1899 die Fundamentierungsarbeiten beginnen. Auf dringendes Anraten Gildemeisters sollte der Außenbau "dem monumentalen Charakter des Gebäudes entsprechend" in Sandstein ausgeführt werden. Dies steigerte die Kosten um 100.000 Mark, die Carl Schütte zusätzlich zu stiften bereit war.[3]

Am 15. Februar 1902 konnte der Erweiterungsbau feierlich eröffnet werden. Der Altbau war nur im Bereich des Treppenhauses, das die Anschlußstelle bildete, verändert worden, so daß man von außen den alten und den neuen Trakt deutlich unterscheiden konnte: Der Altbau war verputzt, der Neubau in kostbarem Sandstein ausgeführt. Wegen dieses unangenehmen Kontrastes beschloß man noch im selben Jahr, den Altbau mit einer neuen Sandsteinfassade nach dem Entwurf Gildemeisters zu versehen. Die dazu notwendigen 100.000 Mark stiftete abermals Carl Schütte, der damit insgesamt 400.000 Mark für den Erweiterungsbau aufgebracht hat. Erst 1904 war die Fassade vollendet, wie wir sie heute vor uns sehen. Die Anzahl der Fenster an den Seitenflügeln war auf jeweils drei reduziert worden; damit war auch die Innenstruktur des Altbaus betroffen. Im Obergeschoß entstand nun anstelle des durchgehenden Saales eine Flucht von sechs Kabinetten mit einem großen Mittelsaal. Der Bauschmuck von Georg Roemer, je zwei Reliefs mit Darstellungen des Parisurteils an der Straßenseite und antiker Meerwesen an der Rückseite des Gebäudes, war 1906 vollendet. Erst jetzt waren die alte Kunsthalle und der Erweiterungsbau zu einem organischen Ganzen zusammengewachsen.

(Dr. Dorothee Hansen)

[1] Jahresbericht des Vorstandes des Kunstvereins 1896/97, S. 6.
[2] Jahresbericht des Vorstandes des Kunstvereins 1897/98, S. 3.
[3] Jahresbericht des Vorstandes des Kunstvereins 1898/99, S. 4.

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