
Gaston Camillo Lenthe, Campagnalandschaft mit Blick auf die Sabinerberge, Rückseite, Inv. 526-1947/30
Von Arnold Blome (1894-1972), Heinrich Glosemeyer (1896-1969) und Dr. Hugo Oelze (1892-1967) erwirbt die Kunsthalle Bremen während der Zeit des Nationalsozialismus und bis in die spätere Nachkriegszeit zahlreiche, teilweise sehr wertvolle Kunstwerke. Dabei handelt es sich meistens um Ankäufe, insbesondere nach dem Krieg aber auch um großzügige Schenkungen und Vermächtnisse.
So verkaufte der Kunsthändler, Sammler und Künstler Arnold Blome insgesamt sechs Gemälde, eine Skulptur und 541 Arbeiten auf Papier, größtenteils Handzeichnungen des 19. Jahrhunderts, an die Kunsthalle Bremen. Nach dem Tod seiner Ehefrau Helene 1946 machte er dem Museum zudem 32 Gemälde und 82 Handzeichnungen als „Vermächtnis Helene & Arnold Blome, Bremen“ zum Geschenk.
Von dem Großhandelsvertreter Heinrich Glosemeyer erwarb das Museum fünf Arbeiten auf Papier und zwölf wertvolle Gemälde, fünf davon als Geschenk.
Der Jurist Hugo Oelze stammte aus einer angesehenen Bremer Kaufmannsfamilie und lebte seit den 1920er-Jahren in Amsterdam, wo er im engen Kontakt zu seiner Heimatstadt Bremen mit Kunst handelte und seine private Sammlung aufbaute. Neben einigen Verkäufen (zwei Gemälde und acht Arbeiten auf Papier) schenkte er der Kunsthalle eine Plakette und vermachte dem Museum später fünf exquisite Gemälde.
Die Biografien und Sammlerprofile der drei Männer spiegeln die Geschichte des Museums während des 2. Weltkrieges und der Nachkriegszeit wider. Darüber hinaus bieten sie einen interessanten Einblick in den Kunsthandel dieser Jahre mit seinen regionalen, nationalen und internationalen Verflechtungen.
Das auf zwei Jahre befristete Forschungsprojekt wird seit Dezember 2010 von der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung am Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz gefördert. Ziel ist es, für jedes Kunstwerk aus den drei Sammlungen eine lückenlose Besitzerabfolge für die Zeit nach 1933 nachzuweisen. Auf diese Weise soll überprüft werden, ob sich darunter Kunstwerke befinden, die während des Nationalsozialismus unrechtmäßig enteignet worden sind oder unter politischem Druck veräußert werden mussten.
Mit diesem Projekt der Provenienzforschung entspricht die Kunsthalle Bremen der im Dezember 1999 durch die Bundesregierung, die Länder und die kommunalen Spitzenverbände verabschiedeten Erklärung zur Auffindung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz. Hierin werden gemäß der ein Jahr zuvor in Washington verabschiedeten Principles with Respect to Nazi-Confiscated Art die deutschen Sammlungen und ihre Rechtsträger aufgefordert, die genaue Herkunft ihre Bestände zu überprüfen und unrechtmäßigen Besitz offenzulegen.
Im Zuge der wissenschaftlichen Inventarisierung ist die Provenienzforschung unverzichtbarer Bestandteil des musealen Alltags. Das Anliegen und Ziel der Provenienzforschung ist die Erforschung der Herkunft jedes Kunstwerks. Wie der Mensch erhält auch das Kunstwerk erst durch die Kenntnis der persönlichen Geschichte eine eigene Identität. Die Provenienzforschung dient der Suche nach verschollenen Kunstwerken, hilft bei der Frage nach der Echtheit der Arbeiten und wird zur Rekonstruktion von Sammlungen, Schenkungen und Ankäufen herangezogen. So liefert sie wichtige Informationen zur Geschichte des Museums.
Erst seit wenigen Jahren beschäftigt sich ein spezieller Zweig der Provenienzforschung verstärkt mit der Geschichte der Kunstwerke, die vor 1945 entstanden sind und seit 1933 bis heute gehandelt und von Museen angekauft werden. Diese Recherche hat das vordringliche Ziel zu klären, ob das Kunstwerk während der Zeit des Nationalsozialismus seinem Eigentümer unrechtmäßig entzogen wurde bzw. dieser aus politischen Gründen zur Abgabe gezwungen war. Anschließend ist zu klären, ob ein Werk an seinen rechtmäßigen Eigentümer bzw. dessen Erben zurückgegeben werden muss.
Dr. Brigitte Reuter
Provenienzforschung/ Provenance Research
T 0049(0)421 329 08-261
F 0049(0)421 329 08-470
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Dr. Dorothee Hansen
Stellvertretende Direktorin und Kustodin für Gemälde
T 0049(0)421 329 08-260
F 0049(0)421 329 08-470
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