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Arnold Böcklin: Der Abenteurer, 1882

Mit seinen bizarr geträumten Bilderwelten avancierte Böcklin ab den 1860er Jahren zum führenden Maler im deutschsprachigen Raum. Er zählte neben Anselm Feuerbach und Hans von Marées zu den sogenannten Deutschrömern. Ihnen gemeinsam war ihre Liebe zu Italien und dessen von der Antike geprägte Landschaft, die für sie eine Gegenwelt zu der wachsenden Industrialisierung bildete.

Böcklins Abenteurer stellt den Ritter Astolfo aus Ariosts Orlando furioso dar, der dem Epos zufolge am Strand der Nilmündung entlangritt, um den Riesen Caligorant zu suchen. Ein Eremit warnte ihn vor der tödlichen Gefahr und bot ihm Platz auf seinem Boot, doch der furchtlose Astolf ließ sich nicht beirren, besiegte schließlich das kannibalische Ungeheuer und brachte es nach Kairo.

Auf Böcklins Gemälde ist der Eremit auf dem Boot zur Staffagefigur geworden. Astolf blickt mit stolz erhobenem Haupt entschlossen nach vorn. Doch der erschöpfte Rappen und die Knochenreste am Boden lassen auf die Anstrengung des Unternehmens und die bevorstehende Gefahr schließen.

Böcklin machte die in Afrika spielende Geschichte nicht zufällig 1882 zum Thema. In diesem Jahr war der deutsche Kolonialverein gegründet worden, mit dem die deutsch-preußische Kolonialisierung Afrikas einsetzte. Der tatendurstige Ritter ist in Wirklichkeit ein Symbol aggressiven Expansionsstrebens und ein Mahnmal gegen falsche Fortschrittsgläubigkeit. Der Eremit steht für den friedlichen Gegenentwurf: Er steuert sein Boot zurück zu der einsamen Insel im Hintergrund.

Anne Buschhoff

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