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Nam June Paik: Video-Synthesizer, 1969/92

Nam June Paik gilt als Vater der Videokunst. Auf die zunehmende Macht des Fernsehens reagierte er Anfang der 1960er Jahre mit utopischen Gegenentwürfen. Dabei verstand er das Fernsehen als Material, mit dem kreativ zu verfahren sei. Sein Weg bestand darin, das Fernsehen zu manipulieren, beziehungsweise den Betrachter zu medienkünstlerischen Experimenten zu autorisieren. Paik ließ ihn die Bilderwelten auf dem Bildschirm eigenhändig verändern, etwa indem er die elektrischen Wellen auf dem Bildschirm durch einen Magneten malerisch lenkte.

Mit dem Video-Synthesizer entwickelte er diese Idee weiter. Mit Hilfe seines Freundes Shuya Abe, einem japanischen Ingenieur, sowie der Unterstützung der Rockefeller-Foundation und der TV-Station WGBH realisierte er eine Maschine, mit der verschiedene Bilder gemischt und in Form und Farbe manipuliert werden konnten. Damit war Video für ihn zum künstlerischen Mittel geworden: „Dies wird uns ermöglichen, die TV-Bildschirm-Leinwand so präzise wie Leonardo, so frei wie Picasso, so farbenfroh wie Renoir, so profund wie Mondrian, so gewalttätig wie Pollock und so lyrisch wie Jasper Johns zu gestalten.“

Den seit Anfang der 1980er Jahre nicht mehr verwendeten Synthesizer machte Paik 1992 als Object trouvé zum unteren Teil der Bremer Videoskulptur. Die Monitore zeigen die Bilder, die Paik in den 1970er Jahren mit der Maschine hergestellt hatte.

Anne Buschhoff

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