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Pieter Claesz: Stillleben, 1647

Pieter Claesz zählt zu den wichtigsten Vertretern der Haarlemer Stilllebenmalerei und war auf Mahlzeitenbilder spezialisiert. Das Bremer Bild zeigt eine beendete Zwischenmahlzeit. Die wenigen Speisen und Tafelgegenstände stehen zusammengeschoben auf der Tischecke. Sie sind in einer grau-grünen und silbrigen Farbigkeit gehalten und mittels des Lichteinfalls minutiös in ihrer Oberflächenbeschaffenheit beschrieben. Über das ästhetische Spiel hinaus liegt dem Bild ein tiefe Symbolik zugrunde, die Claesz’ Zeitgenossen zu lesen wussten: Wein und Brot deuten auf den eucharistischen Kontext, die Johannisbeeren stehen für das Blut Christi und weisen auf die Passion. Hering und Bier kontrastieren als Fastennahrung zu dem saftigen Schinken, auf den das spitze Messer gerichtet ist. Claesz stellte hier also Motive von Enthaltung und Völlerei zusammen und machte so das Fasten als Mittel gegen die Versuchung zum eigentlichen Thema seines Bildes.

Anne Buschhoff

Für Kinder

Auf diesem voll gestellten Tisch kannst Du viel entdecken! Eine Mahlzeit mit Speisen und Getränken steht darauf. Du siehst verschieden große Gläser, ein Brot, Fisch, Fleisch, Zwiebeln, Beeren und einiges mehr. So ein Bild nennt man Stillleben. Denn die Gegenstände liegen unbewegt, also still auf dem Tisch.
Die Stilllebenmalerei ist vor 400 Jahren in den Niederlanden entstanden. Dort lebte zu dieser Zeit auch der Künstler Pieter Claesz. Die Gegenstände auf seinem Bild stellt er täuschend echt dar – fast wie auf einem Foto.

Direkt vor Dir liegt ein helles Brot auf einem Teller. Die Kruste sieht frisch und knusprig aus! Wie verlockend wäre es die Hand auszustrecken, um nach dem Brot zu greifen und hineinzubeißen – so gut ist es dem Maler gelungen, das Brot abzubilden! Um das zu erreichen, setzte er die Pinselstriche dicht nebeneinander und arbeitete mit Licht und Schatten.

Doch beabsichtigte der Künstler noch mehr, als die Gegenstände naturgetreu abzubilden. Vielen Menschen in den Niederlanden ging es damals sehr gut. Sie hatten Geld um Feste zu feiern, sich den Bauch mit Leckereien vollzuschlagen und ihr Leben zu genießen. Darauf deuten auf diesem Bild das Bierglas und der Schinken hin. Doch selbst das schönste Leben ist irgendwann zu Ende, dachten die gottesgläubigen Niederländer. Da alle Dinge und jedes Leben vergehen, kann nur das Göttliche wertvoll und beständig sein. Darauf weist der Künstler in seinem Bild hin. Wie er dieses anstellt, wirst du Dich jetzt fragen?!
Die Gegenstände für sein Bild suchte er gezielt aus. Er malte den angeschnittenen Schinken, da er für Schlemmerei und Genuss steht, aber auch verderblich ist und so an die Vergänglichkeit erinnert. Wahrscheinlich kennst Du die Geschichte vom Abendmahl, als Jesus das letzte Mal feierlich mit seinen Jüngern an einem Tisch saß, Brot aß und Wein trank. Ein Brot und ein gefülltes Weinglas findest Du auch auf diesem Stillleben. Der Künstler erinnert durch diese beiden Symbole an die Erlösung nach dem Tod.
Ein weiteres Zeichen sind die Johannisbeeren, die vorne links auf der Tischplatte liegen. Vielleicht hast Du schon einmal eine Johannisbeere zwischen den Fingern zerdrückt? Die rote Flüssigkeit, die dabei herausläuft, erinnert an Blut. Auch damit spielt Pieter Claesz auf den Tod Jesu an.

Der Künstler hat die Gegenstände für sein Stillleben überlegt ausgewählt, um an religiöse Werte zu erinnern. Den meisten Menschen fiel es damals gar nicht schwer, dieses Bild zu entschlüsseln. Sie wussten sofort, welche Botschaft der Künstler mit seinem Bild vermitteln wollte. Das ist heute anders. Oder hättest Du gleich gewusst, was der Künstler uns mit diesem Bild sagen will?

Lisa Wüste

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