Tulpen, Tabak, Heringsfang   Niederländische Malerei des Goldenen Zeitalters   07.04. - 19.08.2018

Tulpen, Tabak, Heringsfang

Niederländische Malerei des Goldenen Zeitalters

Jahrzehntelang blieb die Privatsammlung im Verborgenen: Nun schenkt der Bremer Kaufmann Carl Schünemann seine sensationelle Sammlung niederländischer Gemälde der Kunsthalle Bremen. Es ist die bedeutendste Gruppe von Altmeistergemälden, die der Kunstverein in Bremen seit seiner Gründung vor fast 200 Jahren erhalten hat. Im Frühjahr 2018 werden die 32 Ölgemälde erstmals ausgestellt: Stillleben, Landschaften, Seestücke und Genrebilder geben einen umfassenden Einblick in die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts.

Die Werke spiegeln die holländische Lebenswelt des Goldenen Zeitalters. Landschaften mit Kühen und Windmühlen, Dünen, Schiffen und der aufgewühlten Nordsee illustrieren die Welt der Fischer und Bauern sowie die der feinen Kaufmannschaft. Reich geworden durch weltweiten Seehandel und ernährt vom regionalen Heringsfang, konnte man sich kostbare exotische Genüsse leisten. Davon zeugen die Blumenstillleben mit ihren damals äußerst seltenen Tulpen oder das Raucherstillleben mit Tabakpäckchen, aber auch das knisternde Seidenkleid einer jungen Frau, die dem Lautenspiel eines Verehrers lauscht.

Meisterwerke der Schenkung Schünemann
Die Sammlung umfasst unter anderem Werke berühmter Maler wie Jan van Goyen, Salomon van Ruysdael, Aert van der Neer, Adriaen van Ostade und der Künstlerin Rachel Ruysch. Sie ergänzt auf hervorragende Weise die Sammlung niederländischer Malerei in der Kunsthalle Bremen. Die Neuzugänge verstärken vorhandene Bestände, zum Beispiel in der Marinemalerei, und sie schaffen besondere Schwerpunkte wie beim frühen Jan van Goyen und bei Art van der Neer. Vor allem aber schließt die Schenkung Lücken, insbesondere auf dem Gebiet der Blumenstillleben und der Genremalerei.

Die Sammlung im Verborgenen
Carl Schünemann stammt aus einer bedeutenden Verlegerfamilie in Bremen. In fünfter Generation führte er das Bremer Druck-und Verlagshaus Carl Ed. Schünemann KG, das neben dem traditionsreichen Zeitungsverlag ein umfangreiches Buchprogramm herausbrachte, darunter auch kunsthistorische Fachliteratur zur niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Im persönlichen Dialog mit Kunstexperten wie u.a. Walther Bernt, Ingvar Bergström, Laurens Bol und Horst Gerson baute Schünemann in den vergangenen 50 Jahren seine Sammlung auf, die der Öffentlichkeit bislang vollkommen unbekannt war. Den Kern bilden 32 Gemälde niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts. Ergänzt werden diese durch eine toskanische Madonnentafel aus der Zeit um 1400, eine Venedig-Ansicht aus dem 18. Jahrhundert von Michele Marieschi und ein eindrucksvolles Seestück des späten 19. Jahrhunderts von Hans Frederik Gude. Nur selten wurden einzelne Werke in Ausstellungen präsentiert. So ist zur Zeit ein Hauptwerk der Sammlung, Die Serenade von Jakob Ochtervelt, in der Ausstellung "Vermeer and the Masters of Genre Painting" zu sehen, die erst im Pariser Louvre gastierte, aktuell in der National Gallery of Ireland in Dublin und anschließend in der National Gallery of Art in Washington, D. C. gezeigt wird.