Der Kunstverein und die Kunsthalle Bremen im Nationalsozialismus
Ein Forschungsprojekt an der Kunsthalle Bremen 2026–2028
Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung und der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG
2023 feierte der Kunstverein in Bremen, der bis heute privater Träger der Kunsthalle Bremen ist, sein 200-jähriges Jubiläum. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Kunstvereins war die Ära des ersten wissenschaftlichen Direktors Gustav Pauli (1889–1914): Seine wegweisenden Erwerbungen von Werken deutscher und französischer Impressionisten prägen die Bremer Sammlung bis heute.
Während diese Periode mittlerweile sehr gut erforscht ist, fand die Geschichte des Kunstvereins unter seinem Nachfolger Emil Waldmann (1914–1945) bisher weit weniger Beachtung. Er leitete die Kunsthalle durch krisenhafte Jahre während des Ersten Weltkriegs, der Bremer Räterepublik, der Weimarer Republik und schließlich während der NS-Zeit.
Der Kunstverein in Bremen plant nun, seine Geschichte während der Zeit der NS-Diktatur wissenschaftlich zu erforschen. Ziel ist eine kritische Institutionsgeschichte, die den Kunstverein und sein Museum im zeitgeschichtlichen Kontext analysiert, in einem größeren interdisziplinären Zusammenhang reflektiert und zugleich umfassendes Quellenmaterial erschließt und auswertet. Erst seit wenigen Jahren wird im Fach Kunstgeschichte die Institutionsgeschichtsschreibung intensiviert. Der Kunstverein in Bremen, der als Betreiber eines Museums mit eigener Sammlung an der Schnittstelle zwischen zwei unterschiedlichen Funktionen im sogenannten Betriebssystem Kunst agiert, ist ein besonders komplexer Untersuchungsgegenstand. Beispielhaft soll hier nach einer wechselseitigen Durchdringung von traditionsorientiert-bildungsbürgerlichem Selbstverständnis und der NS-Ideologie gefragt werden.
Ein wichtiges Ziel des Forschungsprojekts ist es, den Blick der breiten Öffentlichkeit für die Mechanismen der NS-Diktatur zu schärfen und deren Auswirkungen auch im Bereich der Kunstinstitutionen sichtbar zu machen. Zusätzlich zur Publikation der Forschungsergebnisse nach Projektabschluss ist im Winter 2028/29 eine große Ausstellung in der Kunsthalle Bremen geplant, die sich am Beispiel von Emil Nolde und Fritz Mackensen kritisch mit zwei Künstlern beschäftigt, die ideologisch dem nationalsozialistischen System eng verbun-den waren und – wie vor allem der Worpsweder Maler Fritz Mackensen – dem Kunstverein in einem spannungsreichen Verhältnis nahestanden. Der kritischen interdisziplinären Aufarbeitung des Kulturbetriebs in der NS-Zeit wird damit im Winter 2028/29 ein besonderer Schwerpunkt im Programm der Kunsthalle Bremen gewidmet sein.
Forschung

Projektteam
Um die Geschichte des Kunstvereins von 1930 bis 1950 möglichst kritisch und umfassend zu untersuchen, konnten die Kunsthistorikerin und erfahrene Provenienzforscherin Dr. Brigitte Reuter und der ambitionierte Zeithistoriker Dr. Matthias Loeber gewonnen werden. Sie werden gemeinsam aus unterschiedlichen methodischen Perspektiven an dem Thema arbeiten. Die Projektleitung übernimmt Dr. Dorothee Hansen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Bremen.
Ansprechpartner*innen
- (Kustodin Gemälde 14. - 19. Jahrhundert / stellvertr. Direktorin)+49 (0)421 - 32 908 260
- (Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Provenienzforschung)

