Mit den Augen riechen Geruchsbilder seit der Renaissance   12.06. – 15.08.2021

Mit den Augen riechen. Geruchsbilder seit der Renaissance

Wie lässt sich Geruch in Bilder fassen? Gerüche begleiten den Alltag und besondere Momente, aber als unsichtbare und flüchtige Sinneserscheinungen sind sie ein herausforderndes Thema für die bildende Kunst. Die Kunsthalle Bremen macht einen großen geschichtlichen Bogen auf und zeigt Geruchsbilder seit dem 16. Jahrhundert. So lädt die Ausstellung dazu ein, mit den Augen zu riechen: Welche Gestalt hat Geruch? Wie erkennen wir durch ihn die Welt? Und wie wird Geruch im menschlichen Miteinander inszeniert? Im Rahmen von „Smell it!“, einem Gemeinschaftsprojekt von zehn Bremer Kunstsintitutionen, werden historische Darstellungen von Geruch und Duft in einen Dialog gebracht mit einem neuen Werk des zeitgenössischen kolumbianischen Künstlers Oswaldo Maciá (*1960).

Gemälde, Graphiken, Fotografien und Skulpturen aus verschiedenen Jahrhunderten kommen dafür in der Ausstellung zusammen. Darunter sind farbintensive Gemälde von Malerinnen wie Aline von Kapff und Paula Modersohn-Becker, die über die Augen – für manche – auch den Geruchssinn ansprechen können; Darstellungen des Geruchssinns als Personifikation, wie etwa von Georg Pencz; detailreiche Graphiken von Hans Weiditz und Albrecht Altdorfer, die von der religiösen und weltlichen Verwendung von Düften in der Renaissance erzählen; humorvolle Blätter von William Hogarth und Honoré Daumier, die Schnüffeln und Stinken in den Mittelpunkt rücken, ebenso wie etwa das JOB-Plakat von Alphonse Mucha, das den sinnlichen Genuss von Geruch stilisiert; und schließlich auch Zeichnungen von Günter Grass, der Riechendes zeigt, um soziale Ungerechtigkeiten anzuprangern.

Der kolumbianische Geruchskünstler Oswaldo Maciá (*1960) trägt eine neue raumgreifende Installation bei, die er speziell für diese Ausstellung geschaffen hat. Dabei spricht er Augen, Nase und Ohren an: „Rieche und höre, du wirst sehen,“ lautet das Motto des Künstlers. Die verschiedenen Sinne stehen in seinem Schaffen gleichberechtigt nebeneinander. So können die Besucher*innen ganzheitlich in die Erfahrung der Installation eintauchen. Sein Werk New Cartographies of Smell Migration stellt globale Verbindungen durch verschiedene Arten von Bewegung in den Mittelpunkt. Der weltweite Handel mit mittelamerikanischen Geruchsstoffen spielt dabei genauso eine Rolle wie natürliche Bewegungen und Verknüpfungen durch Winde oder durch Insekten, die Pflanzen bestäuben.

Die Ausstellung zeigt damit die Geschichte des Riechens, Stinkens und Duftens in der Bildenden Kunst und fragt zugleich nach der Rolle des Geruchssinns für jeden Einzelnen. So lädt schließlich auch ein begehbares Nasenmodell vom kek Kindermuseum in der Ausstellung dazu ein, sich mit eigenen Riecherfahrungen auseinanderzusetzen.

Smell it! Geruch in der Kunst“ ist ein Gemeinschaftsprojekt zum Geruch in der zeitgenössischen Kunst. Dazu gehören: GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Gerhard-Marcks-Haus, kek Kindermuseum, Künstlerhaus Bremen, Kunsthalle Bremen, Kunstverein Bremerhaven, Paula Modersohn-Becker Museum, Städtische Galerie Bremen, Weserburg Museum für moderne Kunst, Zentrum für Künstlerpublikationen. Kern des Projektes sind zehn individuelle Ausstellungen, eine wissenschaftliche Vortragsreihe sowie ein gemeinsames Vermittlungsprogramm im Zeitraum von Mai bis Juli 2021.

smellit.eu

 

(Abb. Ausstellungsübersicht: Oswaldo Maciá, New Cartographies of Smell Migration, 2021, Installationsansicht Kunsthalle Bremen, © Oswaldo Maciá, Foto: Franziska von den Driesch)

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